Konzept des BuyingCenter (BC)
- Bildung von problembezogenen Gruppen zum Kauf von Industriegütern von bestimmte Mitglieder der Organisation (informelle Gruppen-> nicht institutionell verankert)
- BuyingCenter stellt gedankliche Zusammenfassung aller am Kaufentscheidungsprozess beteiligten Personen dar
- mehrere Personen können die gleiche Rolle wahrnehmen, eine Person kann auch mehrere Rollen haben
Mitglieder BC

Promotoren/Opponenten-Modell (Witte)
- Promotor: Person, die einen Beschaffungsprozess initiiert und diesen bis zum Schluss (Kaufentscheidung) aktiv und intensiv fördert
- Machtpromotor(Machtopponent): relativ hohe hierarchische Stellung, maßgebliche Beeinflussung (Bremsung) des Prozesses
- Fachpromotor(Fachopponent): unabhängig von seiner hierarchischen Stellung fördert (bremst) dieser den Prozess aufgrund seines Fachwissens
- Wahrnehmung durch eine Person möglich, bedeutsamer und effizienter aber Promotorengespann (Opponentengespann), da fachliche Kompetenz und Durchsetzungskraft zusammenkommen

Exemplarisches BuyingCenter im Krankenhausmarkt

Einflussstrukturen im BuyingCenter - Einflussstärke BC Mitglied
Einflussstärk= Fähigkeit, bei anderen BuyingCenter-Mitgliedern Verhaltens-bzw. Einstellungsänderung herbeizuführen
Macht ≠Fähigkeit zur Repression
Macht =hierarchische/persönliche Fähigkeit die konstruktiv oder destruktiv genutzt werden kann
- Expertenmacht als wichtigste Determinante des Einfluss
Einflusstrukturen BC - Netzwerkposition

Einfluss einzelner Funktionen (BC)
- Einfluss einzelner Funktionen variiert mit der Kaufphase/ Top-Management
- Hoher Einfluss des Top-Managements in Bedarfserkennungsphase und bei Anbieterendauswahl
- Hoher Einfluss des Einkaufs in Phasen der Informationsbeschaffung
Einfluss einzelner Funktionen (BC) - Visualisierung

Situative Einflussfaktoren organisationaler Beschaffung
1. Wirtschaftliche Bedeutung
- Mit Kauf verbundene Kosten
- Relevanz der Beschaffungsentscheidung für die Erreichung
wirtschaftlicher Ziele
- Relative Investitionswertigkeit
2. Neuartigkeit der Kaufsituation
- Wie neu ist das Kaufproblem für die Firma?
- Damit einhergehend:
- Informationsbedarf
- Betrachtung neuer Alternativen
3. Risiko der Kaufsituation
- Konsequenzen einer Fehlentscheidung
- Ungewissheit, ob Kaufproblem optimalgelöst werden kann = Wahrscheinlichkeit einer Fehlentscheidung
4. Komplexität
- Komplexität der Kaufsituation(bspw. Anbieterzahl)
- Komplexität des Produktes
- Aufwand, den eine Organisation betreiben muss, um eine adäquate Entscheidung zu treffen
Wirtschaftliche Bedeutung:Systematik der Beschaffungskosten
Gesamtkosten der Beschaffung= Einkaufspreis + Prozesskosten + Kosten des Lieferantenmanagements
Prozesskosten ( im Zusammenhang mit dem erworbenen Produkt ): Kosten .. der Qualitätssicherung
.. der Logistik
.. des Transports
.. der Lagerhaltung
.. der Entsorgung
-> regelmäßig anfallende Kosten, abhängig von Menge und Beschaffenheit
Kosten des Lieferantenmanagements:
Kosten .. der Lieferantenwahl
.. der Lieferantenförderung und -bewertung
.. der Pflege der Geschäftsbeziehung
-> unregelmäßig anfallende Kosten
-> Preisgünstige Angebote entpuppen sich im nachhinein oft als zeit-und kostenintensive Probleme (höhere Logistikkosten..) -> TCO
Die Idee der „Total Costs of Ownership“ (TCO)
TCO= Kaufpreis + 1. + 2. +3.
1. Komponenten VOR der Transaktion
- Kosten für die Fehlervermeidung
- Kosten zur Identifikation der Anbieter und für die
Bewertung der Anbieter
2. Komponenten WÄHREND der Transaktion
- Kaufpreis
- Logistikkosten (z.B. Fracht, Zoll, Lagerhaltung)
- Handlingkosten
- Kosten für die Qualitätskontrolle
- Abnahmekosten
- Transaction costsi.e.S.
3. Komponenten NACH der Transaktion
- Kosten für mangelhafte Ware
- Produktionsausfallkosten
- Kosten für Fehler Dritter
- Produktbezogene Kosten in der Nachkaufphase (Wartung,
Service, Entsorgung)
Total Cost of Ownership
Potenzielle Probleme durch zu starken Fokus auf Einkaufspreise in der Beschaffung
Häufige praktische Lösung: Nicht-bindende Auktionen,Kunde kann nach Auktion frei Anbieter wählen

Fokus auf Einkaufspreis: Online Reverse Auctions
1. Englische Auktion:
- Anbieter geben Gebote ab
- Anbieter sieht eigenen Rang und niedrigstes Gebot
- Festgelegter Startpreis
- Teilnehmer verringern systematisch ihre Preise
- Auktion läuft, bis keine Gebote mehr abgegeben werden
2. Holländische Auktion:
- Nachfrager schlägt Preise vor
- Festgelegter (niedriger) Startpreis
- Preis steigt in kleinen Schritten
- Erster Anbieter der ein Gebot abgibt bekommt Zuschlag
3. Japanische Auktion:
- Nachfrager schlägt Preise vor
- Festgelegter (hoher) Startpreis
- Preis sinkt in kleinen Schritten
- Anbieter können angeben, ob Sie für diesen Preis (noch) bieten
- Derjenige Anbieter bekommt den Zuschlag, der bietet wenn alle anderen Anbieter kein Angebot im aktuellen Intervall mehr abgeben wollen
Verbindliche vs. unverbindliche Reverse Auctions
- Binding reverse auctions, in denen der Käufer dem Niedrigstbietenden den Zuschlag vor Durchführung zusichert
- Buyer-determined reverse auctions(BDRAs),in denen der Käufer dem Niedrigstbietenden nicht den Zuschlag zusichert
Unterscheidung dreier Kaufklassen im organisationalen Kaufprozess

Risiko: Produktklassifikation aus Sicht des Einkaufs –die Kraljic-Matrix

Komplexität: Bestimmung der Lieferantenzahl im organisationalen Kaufprozess (Homburg: Beschaffungsportfolio)
Zentrale Ergebnisse:
- Lieferantenzahl nimmt mit zunehmen-der Komplexität der Beschaffungssituation ab
- Lieferantenzahl steigt mit wachsender wirtschaftlicher Bedeutung des eingekauften Produktes

Buygrid: Verbindung von Kaufklassen und Kaufphasen

Auswirkungen der Digitalisierung auf den Organisationalen Kaufprozess
1. Bedarfserkennung -> Automatische Bedarfserkennung (Industrie 4.0, Internet ofThings,Predictivemaintenance)
3. Anbietersuche und -beurteilung -> Steigende Verfügbarkeit von Informationen im Internet (Online-Suche: Search Engine Optimization, Webseiten: Inbound-Marketing, Online Supplier Reviews)
4.-6. Angebotseinholung und-bewertung /Anbietervorauswahl/Verhandlungsphase -> Lieferantenplattformen und Online-Marktplätze
8. Leistungserbringung und-bewertung -> Interne Auditplattformen
Digitales B2B: Inbound vs. Outbound
Outbound-Marketing: Den Kunden finden
- Printanzeige
- Kaltakquise durch Außendienst
- Messebesuche
- Massen-E-Mails
Inbound-Marketing: Vom Kunden gefunden werden
- Content: Blogs, Whitepaper, E-Books
- SEO: Suchmaschinenoptimierung
- Webinare
- RSS-Feeds
Homepage: Erfolgsfaktoren zur Leadgenerierung

Organisierte Anarchien (Merkmale und Entscheidungsvarianten)
Merkmale:
- Beschränktes Wissen
- Unvollständige „Technologien“ (Kausale Konsequenzen von
Entscheidungen sind nichtkomplett durchdrungen)
- Inkonsistente Ziele (zwischenTeilnehmern und Zeitpunkten)
- Schwierig operationalisierbare Ziele
- Wechselnde Teilnehmer
- Beschränkte Aufmerksamkeit der Teilnehmer
1.Entscheidungen durch „Übersehen“(Bestimmte Probleme werden ignoriert)
2.Entscheidungen durch „Flucht“(Abwarten, bis das Problem zu anderer Gelegenheit abwandert)
3.Entscheidungen als Problemlösung (Lösungen passen zu den Problemen der Teilnehmer
Gruppendynamik: „Social Facilitation“ und „Social Loafing“
Social facilitation= Anwesenheit anderer beeinflusst Leistungsfähigkeit der Menschen
( Anwesenheit anderer -> Anspannung steigt ->verstärkte Reaktion -> a) leichte Aufgabe: korrekte Reaktion und Leistungssteigerung ; b) schwere Aufgabe: inkorrekte Reaktion und Leistungsminderung)
Social Loafing = Soziales Faulenzen:
- Reduktion der individuellen Leistung bei relativ einfachen Gruppen arbeiten
- durch Übertragung des Leistungsdruckes auf mehrere Personen, vermutet einzelne Person, dass das Team die Aufgabe auch mit weniger eigenem Einsatz schaffen wird
(z.B. Klatschen, Tauziehen)
Integration von Social Facilitation & Social Loafing

Gruppenkonformität
= Individuen passen ihre Meinung an vorherrschende Gruppenmeinung an
Gruppenpolarisierung
Gruppeninteraktionen verstärken die Anfangstendenz der Gruppenmitglieder
1. Gruppen mit Median-Präferenz für Risiko nach Gruppendiskussion risikofreudiger als Anfangsmedian
2. Gruppen mit Median-Präferenz gegen Risiko nach einer Gruppendiskussion weniger risikofreudig
- Sehr robuster Effekt, stärker in homogenen Gruppen
Gruppenpolarisierung - Erklärungen
- Äußerung gruppenkonsistenter Ansichten verstärkt
Gruppenzugehörigkeit
- Überschätzung der Sicherheit anderer im Hinblick auf deren
Präferenzen
- Gruppenminderheiten werden negativ beurteilt
Umgang mit bekannten Informationen in Gruppen
- Informationen zu einem Sachverhaltungleich über die Gruppe
verteilt -> Diskussion über Informationen, die allen oder fast
allen bekannt sind
Modell: p(D)= 1-[1-p(R)]´`n
p(D): W'keit, dass eine bestimmte Information in der Gruppe diskutiert wird
p(R): W'keit, dass Gruppenmitglied betrachtete Information erinnert und wiedergibt
n: Anzahl der Gruppenmitglieder, die die betrachtete Information haben
p(R) zentral, abhängig z.B. von Gesprächsanteil der Personen und Dauer der Diskussion
Bekannte Heuristiken im B2B Marketing
- Trust heuristic
- Incumbent supplier heuristic
- Liking heuristic
- Brand heuristic
- Value-fit heuristic