was versucht die Pädagogische Psychologie in Bezug auf Schule?
Leistungsunterschiede zw. Schülern erklären und vorhersagen -> durch persönliche Faktoren, Einflüsse der Eltern, Merkmale der Lehrperson/des Unterrichts und weitere Kontextfaktoren
-> es liegen umfangreiche empirische Ergebnisse vor, die zu
einem Großteil auf Korrelationsstudien beruhen
warum ist die Aussagekraft von Korrelationsstudien mit Vorsicht zu genießen?
was ist eines der wichtigsten Modelle innerhalb der Schul- und Unterrichtsforschung?
Angebots-Nutzungs-Modell von Helmke:
-> integriert eine Vielzahl potenzieller Einflussfaktoren auf Lernerfolg
-> versucht dabei, komplexe Prozesse im Unterricht zu berücksichtigen
-Unterricht als Angebot
-> wird beeinflusst durch Kontextfaktoren (Schulform, Lehrplan, Klima)
und Lehrperson (fachliche Kompetenzen, Klassenführung,
Erwartungen und Ziele)
-Lernender muss das Angebot nutzen, damit sich Lernerfolge
einstellen
-Lernaktivität im Vordergrund: durch Unterricht und außerunterrichtliche Faktoren (Familie, Medien) angeregt, unterstützt und gefördert
-> letztlich in Kontrolle des Lernenden und von dessen individuellen
Merkmalen (Intelligenz, Vorwissen, Motivation) abhängig
was sagt das Angebots-Nutzungs-Modell aus?
-Vielzahl der postulierten Einflussfaktoren auf Schulleistung konnten
empirisch bestätigt werden
-Leistungsunterschiede vor allem durch verschiedene
Lernvoraussetzungen der Schüler
-Merkmale des Unterrichts und Schule eher untergeordnete Rolle
-vor allem Einfluss von Intelligenz, Vorwissen, motivationalen
Bedingungen und Metakognition/Lernstrategien gilt als empirisch
gesichert
was ist Intelligenz und welchen Einfluss hat sie auf die Schulleistung?
- Fähigkeit, Wissen zu erwerben und zur Problemlösung/Bewältigung der Anforderungen im Leben einzusetzen
Zusammenhang zwischen Intelligenz und Schulleistung:
-auch Schüler mit hoher Intelligenz brauchen anregende Lernumgebung
-> können aber besser schlechte Unterrichtsqualität kompensieren
-> weniger intelligente Schüler sind stärker auf brauchen qualitativ
hochwertige unterrichtliche Unterstützung
durchschnittliche Korrelation von Intelligenz und schulischer Leistung (ermittelt über Schulnoten oder standardisierte Leistungstests):
-> zwischen r = .50 und r = .60
was ist Vorwissen und welchen Einfluss hat es auf die Schulleistung?
wichtige Rolle von Qualität und Quantität des aufgaben- und bereichsspezifischen Vorwissens
hohe Expertise (Vorwissen) in schulrelevanten Bereichen...
was sind motivationale Bedingungen und welchen Einfluss haben sie auf die Schulleistung?
Bedeutung motivationaler Variablen steigt mit zunehmendem Alter
Metaanalyse von Hattie:
-> Zusammenhänge zwischen Schulleistung und mot. Variablen
-> Zusammenhang mit Selbstkonzept, Selbstwirksamkeit, Interesse und
Einstellung zum Lernen
- sagen nur wenig über Wirkrichtung aus!
-> ausgeprägtes Fähigkeitsselbstkonzept kann Ursache aber auch
Folge schulischer Erfolge sein
was setzt erfolgreiches Lernen in Bezug auf motivationale Bedingungen noch voraus?
angemessene Steuerung und Kontrolle der Aufmerksamkeit
- Selbstkontrolle für Bildung der Lernintentionen wichtig
-> auch: Ablenkung vermeiden
-> Fähigkeit zur Selbstkontrolle im Vorschulalter kann Schul- und
Berufserfolg vorhersagen (mit Marshmallow-Test)
was sind Metakognitionen und Lernstrategien und welchen Einfluss haben sie auf die Schulleistung?
Metakognition: Kenntnisse, wie fachspezifisches Wissen effizient eingesetzt werden kann
-> gilt als Schlüsselqualifikation (befähigt Schüler zu lernen, wie man
lernt und wie das eigene Wissen selbst zu regulieren ist)
Pisa-Studie von 2000:
- Forschung suchte lange nach Lernstilen (visuell/auditiv/kinästhetisch),
um Unterrichtsangebote an Lernpräferenz anzupassen und Lernerfolg
zu erhöhen
- praktischer Nutzen von Lernstilkonzepten aufgrund der Befundlage
fragwürdig
was sind Lernstörungen?
- im ICD-10: "Umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten"
-> Lernstörung liegt vor, wenn die schulischen Leistungen wesentlich
unter den Leistungen liegen, die aufgrund von Alter, Schulbildung und
Intelligenzniveau zu erwarten sind (Diskrepanzkriterium)
- nicht alle Schulleistungsprobleme sind Lernstörungen!
-> Probleme durch krankheitsbedingte Abwesenheit, viel
Unterrichtsausfall,...
mögliche Lernstörungen:
welche Lernstörungen gibt es?
Probleme beim Lesen: niedrige Lesegeschwindigkeit, Auslassen/Vertauschen/Hinzufügen von Wörtern/Silben/Buchstaben, Schwierigkeiten bei Wiedergabe von Inhalten
Probleme beim Rechtschreiben: hohe Fehleranzahl in Diktaten und beim Abschreiben, hohe Fehlerinkonstanz (trotz Übung Fehler)
Probleme beim Rechnen: Fehlen von grundlegendem Mengenverständnis
wie werden Lernstörungen diagnostiziert?
mit doppeltem Diskrepanzkriterium:
- für Nachteilsausgleich ist eine diagnostische Abklärung notwendig
-> Erhöhung der Bearbeitungszeit bei Tests und Klassenarbeiten,
mündliche statt schriftliche Prüfungen, Verwendung von
Hilfsmitteln,...
was ist eine Lernbehinderung?
- unterdurchschnittliche intellektuelle Fähigkeit (IQ zwischen 70 und 85)
-> schlechte Schulleistung ergeben sich durch geringes
Intelligenzniveau und treten in verschiedenen Bereichen auf
- Kinder brauchen mehr Zeit/Übung beim Lernen und können Wissen nicht auf andere Kontexte übertragen
- führen auch im außerschulischen Kontext zu Problemen
mögliche Lernbehinderungen:
was ist ADHS?
Symptomatik:
-> Symptomatik zeigt sich bereits im Vorschulalter
-> führt zu Problemen im sozialen und im schulischen Leben
- wegen multifaktoriellem Entstehungsmodell (genetische Veranlagung,
neurobiologische/-chemische Funktionsstörungen, psychologische und
psychosoziale Risikofaktoren) eignet sich ein multimodaler
Therapieansatz
-> medikamentöse Therapie + Psychotherapie + Eltern- und
Angehörigentrainings
wichtig für pädagogischen Umgang:
was ist Prüfungsangst?
- konzeptionelle Ähnlichkeit mit sozialer Angst (=soziale Phobie)
-> Angst vor Bewertung und negativer Beurteilung durch andere
- entsteht, wenn Misserfolge drohen, die nicht verhindert werden
können und bedeutsame Konsequenzen mit sich bringen
nach Liebert und Morris zwei Komponenten:
negativer Zusammenhang zwischen Prüfungsangst und Schulleistung:
pädagogischer Umgang: bei Angstbewältigung unterstützen
-> Geben von Kontrolle durch Vorhersehbarkeit und Planbarkeit
-> Sicherheit geben durch Verlässlichkeit
wie können schulische Leistungen erfasst werden?
beide Formen sollten benutzt werden, um den eigenen Unterricht zu reflektieren und zu verbessern!
warum ist die Bewertung von Schülern sehr wichtig?
- große Tragweite schulischer Leistungserhebung ((Nicht-)Versetzung, Schullaufbahn, Förderbedarf, Nachteilsausgleich bei Lernstörungen)
-> objektives, genaues und unverfälschtes Bild der Fähigkeiten eines
Schülers widerspiegeln
diagnostische Kompetenz von Lehrkräften sehr wichtig!
-> Urteile können verzerrt sein (Erwartungseffekt-> Rosenthal-Effekt)
was sind typische Beurteilungsfehler?
Urteilsfehler können nicht ganz vermieden werden, Wahrscheinlichkeit kann aber verringert werden!
-> Bewusstmachen der Fehleranfälligkeit, Zweitmeinung einholen
welche Gütekriterien sind bei der Bewertung schulischer Leistungen zu beachten?
Gewährleistung der Validität stellt ein großes Problem im schulischen Kontext dar!
welche empirischen Befunde zeigen, dass die diagnostische Urteilskompetenz der Lehrkräfte nicht perfekt ist?
welche Tests werden zur Erhebung von Schülerleistungen genutzt?
welche Tests werden in der Unterrichtspaxis verwendet?
- eher informelle Tests aufgrund von zeitlichen Aspekten
-> nicht unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Kriterien erstellt
-> Güte kann erhöht werden durch Wahl des entsprechenden
Aufgabenformats
- je folgenreicher der Test ist, desto eher werden standardisierte Tests
genutzt
-> Hamburger Schreibprobe, Lese- und Rechtschreibtest, Deutscher
Mathematiktest
welche Aufgabenformate lassen sich grundsätzlich unterscheiden?
was ist wichtig bei der Erstellung von Fragen mit gebundenem Antwortformat?
was ist wichtig bei der Erstellung von Aufgaben mit ungebundenem Antwortformat?
was sind Amtspflichten von Lehrern und welche Funktionen erfüllen schulische Leistungserhebungen?
Bewertung schulischer Leistungen und Ausstellen von Zeugnissen
wie kann die Bewertung von Schülerleistungen erfolgen?
Welche Effekte erzielen Noten auf Schüler?
- Soll: Rückmeldung über Leistungsstand und verfolgen auch
pädagogischen Nutzen
- aber: Schüler mit schlechten Noten ziehen sich schnell zurück,
machen andere für ihre Noten verantwortlich und fühlen sich hilflos,
wenn es um Verbesserung geht
- Alternative zu Ziffernoten: verbale Bewertung
-> aussagekräftiger und erlauben differenziertere Rückmeldung
-> Überlegenheit konnte nicht nachgewiesen werden, deshalb immer
noch Noten
welche Prinzipien sollten Lehrkräfte bei der Notenvergabe berücksichtigen?
was ist Mobbing?
- spezifisches Phänomen schulischer Aggression und Gewalt
- Dan Olweus: absichtsvolle negative Handlungen, die von einem oder
mehreren Schülern ausgehen und wiederholt und über einen längeren
Zeitraum stattfinden
-> Kräfteungleichgewicht zwischen Täter und Opfer zu ungunsten des
Opfers
- negative Handlungen: aktive und zielgerichtete Schädigungen von
Mitschülern
-> körperlich (schlagen, treten,...), verbal (drohen, beleidigen,...),
indirekt (ausschließen, Gerüchte,...)
wo tritt Mobbing am häufigsten auf?
- verbales Mobbing als häufigste Form
- unter Jungs körperliches Mobbing mehr als unter Mädchen
- bei Mädchen häufiger indirekte Formen
- Cyber-Bullying gewinnt immer mehr an Bedeutung
-> auch außerhalb der Schule, weitgehend anonym mit großem
Publikum
welche Folgen bringt Mobbing mit sich ?
- Opfer: internalisierende Verhaltensprobleme (Depressionen,
Selbstwertprobleme, Suizidgedanken)
-> Auswirkung auf Unterrichtsgeschehen (Konzentrationsverlust,
Leistungsabfall)
- Täter: externalisierende Verhaltensweisen (aggressiv, antisozial,
hohes Delinquenzrisiko)
wie entsteht Mobbing?
- Wunsch, Status in der Klasse zu verbessern/erhalten
- bestimmte Faktoren können Wahrscheinlichkeit für Bullying erhöhen
-> Geflecht aus personenbezogenen, familiären und schulischen
Bedingungen
womit beschäftigen sich Ansätze der Bullying-Forschung?
- lange Zeit nur mit dyadischer Beziehung zwischen Tätern und Opfern
- neue Ansätze: große Bedeutung des gruppendynamischen Geschehens für Entstehung und Aufrechterhaltung von Bullying
Participant Role Approach (Salmivalli): Großteil der Klasse in differenzierbaren Rollen am Bullying beteiligt
welche Interventionsmöglichkeiten gibt es gegen Bullying?
wirksame Präventions- und Interventionsprogramme setzen auf mehreren Ebenen an!
- bekanntestes Programm von Dan Olweus aus den 1980ern
- No Blame Approach: sieht Bullying als Gruppenphänomen, bei dem
es dem Täter um Macht und Anerkennung geht
-> arbeiten lösungs- und ressourcenorientiert, beziehen ganze Klasse
mit ein
-> Machtgefälle kippen, ohne den Täter an den Pranger zu stellen