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Warum ist der Mensch Forschungsgegenstand der Biologie?
Klasse Mammalia
Resultat langer Evolution
"erfolgreichstes soziales Säugetier"
Anthropozän
2002 Paul Crutzen
seit 200-300 Jahren verändert Mensch natürliche Umwelt global entscheidend
Erhöhung atmosphärische Konzentration von Treibhausgasen → Klimawandel
Ozonloch
30-50% globale Landoberfläche von Mensch genutzt
Ausbeutung Meere → Fischerei
Landschaftsveränderungen durch Deichbeuten, Flussumlenkungen usw.
Anthropologie
Wissenschaft des Menschen
Anthropos = Mensch, Logos = Lehre
Mensch erforscht sich selbst
Vorläufer seit Antike
Philosophie: Mängelwesentheorie
Medizin: vergleichende Anatomie Konstitutionsforschung
Kontakt mit "fremden Völkern": Beschreibung morphologische Variation, Erklärung Merkmalvariation
Mensch - Mängelwesen
Protagoras, Plinius d.Ältere: Mensch ist Tier biologisch unterlegen
Xenophon, Aristoteles: Mensch ist Tier geistig & körperlich überlegen
vergleichende Anatomie
altes Ägypten: anatomische Kenntnisse durch Mumifizierungen
antikes Griechenland: Hippokrates (460-377 v.Chr.)
antikes Rom: Galenos(129-199 n.Chr.), Kentnisse in Skelettanatomie, Chirurgie, Sektion v. Tieren
Konstitutionsforschung
Hippokrates: Begründer medizinische Konstitutionslehre
Corpus Hippocratium
Säftelehre = Grundlage Konstitution
Galenos ergänzt Viersäftelehre um Temperamentlehre
Kontakt mit fremden Populationen
Reisebeschreibungen Herodot
Beschreibung Skythen durch Hippokrates
somatische Unterschiede sind des Ergebnis von Luft, Wasser und Ortslage
Frühe Neuzeit (bis 19.Jh.)
Entdeckungreisen: Kontakt zu anderen Populationen, Beschreibung der Varibilität des Menschen
Medizin: Anatomie, Physiologie,
Philosophie: Was ist der Mensch?
Bedeutung Taxonomie
ab 16.Jh. wuchs Wissen um Vielfalt des Lebens drastisch
Entdeckungs- & Forschungsreisen
gesteigertes Interesse an Natur
Taxonomie: Forschungsgebiet, hat Beschreibung, Klassifikation der Vielfalt der Natur zur Aufgabe
Erste Ideen in Antike: Aristoteles, Theophrast
Carl von Linné = Vater wissenschaftliche Taxonomie
Der Mensch als Teil der Natur
Carl von Linné: Publikation Systema naturae (1735)
Einführung binäre Nomenklatur (Art-&Gattungsname)
Mensch ist Teil der Natur
10.Auflage Systema naturae 1758
Mensch als Homo sapiens zu Ordo Primates gestellt
Ordo Primates: Menschen, Affen, Lemuren, Fledermäuse
Anthropologie als akademisches Fach
1635: 1. Anthropologisches Laboratorium im Jardin des Plantes in Paris
1718: Gründung Kunstkammer in St.Petersburg
1859: Gründung Société dAnthropologie de Paris
1861: erstes Anthropologentreffen in Göttingen
1870: Gründung Deutsche Anthropologische Gesellschaft
1871: Gründung Anthropologische Gesellschaft Wien
1872: Gründung Anthropological Institute of Great Britain & Ireland
1888: Gründung American Anthropological Association "
"Abstammung des Menschen"
Evolutionsbiologie des MenschenIrrw
Frühes 19.Jh.: Jacques Boucher de Perthes, 1846 Steinwerkzeuge im Kontext mit Tierknochen, Ablehnung, da Mensch laut Katastrophentheorie erst seit 6000 Jahren existiert
Charles Darwin: Postuliert Existenz vom Vorfahren des Homo Sapiens in Afrika (Vorkommen der großen Menschenaffen in Afrika), bis 1871 kaum Reste fossiler Menschen bekannt
Irrwege der Anthropologie
Kriminalanthropologie (Kriminelle anhand Gesichtsstruktur, Körperbau usw. erkennbar, männlich aussehende Frauen eher kriminell usw.)
Eugenik
Rassekunde - Rassenwahn
All diese Begriffe heute obsolet!
Kriminalanthropologie
Joseph Gall: Begründer Phrenologies, Morphologie Schädel lässt Rückschluss auf geistige & sittliche Lebensäußerungen zu
Cesare Lombroso: Psychiater & Gerichtsmediziner an Uni Turin, "Verbrecher kein Homo sapiens, sondern anthropologischer Varietät, Homo delinquens"
Eugenik
Basierend auf falschem Verstehen der Erkenntnisse der Genetik
Fehlinterpretation der Evolutionstheorie
Eugenik ≠ Darwinismus
Eugenik bedeutet:
gezieltes Eingreifen in menschliche Reproduktion
Forderung nach Verbesserung des Erbgutes
Fortpflanzungsverbote für Minderheiten, Behinderte & Asoziale
Zwangssterilisationen
Rasselehre & Rassenwahn
Missbrauch Evolutionstheorie: Kaukasier an Spitze der Entwicklung, Negroide an Basis (große Affen leben auch in Afrika)
James Hunt (Präsident Londoner Anthropologischen Gesellschaft): schwarze & weiße unterschiedliche Spezien, Schwarze stünden Affen näher
Gobineau: teilte Menschheit in Weiß, Gelb & Schwarz

Rassenkunde zur wissenschaftlichen Legimitation von Rassismus & Rassenwahn → 3. Reich
Anthropologie heute
Biologische Anthropologie: physische Anthropologie, Humanbiologie
Forensische Anthropologie
Kultur- & Sozialanthropologie
Philosophische Anthropologie
Theologische Anthropologie
Taxonomie - Systematik der Lebewesen
Taxon im biologischen Sinn: Gruppe von Menschen, die sich durch gemeinsame morphologische & molekulargenetische Merkmale von anderen Gruppen unterscheidet

Systema naturae:
Reich (Regnum) - Unterreich (Subregnum)
Stamm/Abteilung (Phylum/Divisio) - Unterstamm/Unterabteilung (Subphylum/Subdivisio)
Klasse (Classis) - Unterklasse (Subclassis)
Ordnung (Ordo) - Unterordnung (Subordo)
Familie (Familia) - Unterfamilie (Subfamilia)
Gattung (Genus)
Art (Species)
Primaten sind typische Säugetiere
Primaten "Vorrangigen" - Classis Mammalia, Subclassis Eutheria (höhere Säugetiere), Evolution: Entwicklung aus Synapsidem einer Reptiliengruppe im Mesozoikum, erste Säuger in später Trias, spitzmausähnliche Kleinsäuger

in 3 Gruppen unterschieden:
Ursäugetiere Protheria
Beutelsäuger Metatheria
Höhere Säugetiere (Eutheria)
Merkmale Eutheria
Laktation
Homoiothermie
Viviparie
Haarkleid (z.T. sekundär verloren)
Heterodontes Gebiss
3 Gehörknöchelchen (Malleus, Incus, Stapes)
Sekundäres Keifergelenk
Zwerchfell
Neocortex
7 Halswirbel

Reproduktion betreffend:
Vivipar
Planzenta
Laktation
Stammbaum Mammalia-Primate-Hominide
Mammal: "warm blooded", Viviparous (live birth) & breast feeding, hair/fur, 3 Mittelohr Knochen, Neokortex, new vagus (social engagement system)
Primate: flat nails & tactile pads instead of claws, hands & feet used for grasping, hind-limb dominated, highly developed visual system, small litters & long juveniles period, relatively large brain
Hominid: bipedal, mostly hairless (lots of subcutaneous fat), long legs, big gluteus Maximus, eccrine sweat glands coating body, concealed ovulation, descended larynx
Ordo Primates
sehr heterogene Gruppe:
unterschiedliche Lebensweise, unterschiedliche Ernähung, unterschiedliche Lokomotion, beachtliche Größenunterschiede
Kleinste Primatenart: Mausmaki (10 cm Kopf-Rump-Länge, 38g)
Größte Primatenart: Gorilla (2m, 275 kg)
Homo sapiens ist einzig lebender menschlicher Vertreter der Familie Hominide
Subfamilia: Homininae (Homo sapiens mit Gorilla & Schimpanse [teilt 98% Erbgut mit Homo sapiens)
Strepsirrhini - Feuchtnasenaffen
Strepsirrhini:
Lemuriformes - Madagaskar, Komoroen
Loriformus - Südliches Afrika, Südost Asien

Charakteristika:
feuchter Nasenspiegel (plesiomorphisches Merkmal Bedeutung des Geruchssinnes)
Nachtaktiv
Daumen wenig opponierbar
Putzkralle am zweiten Strahl
Haplorrhini - Trockennasenaffen
Infraordo Plathyrrhina (Neuweltaffen)
Infraordo Catarrhina (Altweltaffen)
Infraordo Tarsiiformes (Koboldmaki)
Plathyrrhini (Trockennasenaffe) (Neuweltaffen)
Süd- & Mittelamerika
Breite Nase mit seitwärts divergierenden Nasenöffungen
3 Prämolaren
Schwanz als 5. Extremität
Catarrhini (Trockennasenaffe) (Neuweltaffen)
Afrika, Asien, Europa
Schmale Nasen
2 Prämolaren
Meist Einzelgeburten
Apomorphie - Plesiomorphie
Apomorphe Merkmale:
Merkmale die sich gegenüber dem Merkmalszustand des Vorfahren verändert haben
abgeleitete Merkmale (z.B. Milchdrüsen bei Säugern)
Bipedie bei Hominiden

Plesiomorphe Merkmale:
ursprüngliche Merkmalsausprägung die von betrachteten Stammlinien entstanden & unverändert blieb
z.B. 4 Extremitäten bei Landwirbeltieren (schon bei fossilen Amphibien & Reptilien nachgewiesen)
Plesiomorphe Primatenmerkmale
Primaten weisen nur für Primaten typische (apomorphe) & Plesiomorphe Merkmale auf

Typische Plesiomorphe Merkmale:
Achsenskelett
2 biologische Geschlechter
Schlüsselbein (Clavivulae)
5ßstrahlige Autopodien (Hände & Füße)
Apomorphe Primatenmerkmale - Gehirn & Sinnesorgane
Großes Gehirn im Vergleich mit gleichgroßen Säugern
Reduzierter Geruchssinn bei tagaktiven Arten
Ausgeprägter Sehsinn
Wanderung der Augen nach frontal
Ausgeprägtes räumliches sehen
Farbsehen
Hochentwickeltes biokulares sehen
Ernährung
Breites Nahrungsspektrum
Bevorzugt: Nahrung mit hohem Protein- & Kohlenhydratanteil
Vorfahre vermutlich Insektenfresser
Rezente Insektenfresser gering Körpergröße
Mehrzahl rezenter Primaten: eher pflanzliche Nahrung
Frugivoren (Fruchtfresser), Folivoren (Blattfresser), Insektivoren, Gummivoren (Pflanzengummifresser)
Spezielle Anpassung an Ernährungsweise: mehrkammriger Magen der Stummelaffen, vergrößerter Dickdarm bei Gorilla um Zellulose besser verdauen zu können
Allesfresser (z.B. Paviane & Schimpansen): pflanzliche Nahrung & Fleisch (kleinere Affen, Paarhufer & Nagetiere)
Gebiss Primaten
Heterodontes Gebiss (4 verschiedene Arten von Zähnen):
Incisivi (Schneidezähne), Canini (Eckzähne), Prämolaren (Vormahlzähne), Molaren (Mahlzähne)
einmaliger Zahnwechsel (Milch- & Dauergebiss) & Rückbildung dr Zahnanzahl (ursprünglich bei 44, bei rezenten Altweltaffen & Mensch 32)
Lokomotion der Primaten
Kletten- arboricol
terrestrisch quadruped
Brachiaton
Knöchel Gang
Habituell biped

Lokomotion abhängig von Umweltbedingungen
Leben am Baum:
Springen (Löwenäffchen)
Hangeln (Gibbons, Orang Utan)
Quadruped (Neuweltaffen, Buschbabies)
Leben am Boden:
Quadruped (Altweltaffen, Pavian)
Knöchelgang der großen afrikanischen Menschenaffen
Bipedie (Mensch)
Extremitäten
Opponierbarkeit des ersten Strahls an zumindest einer Extremität -> Greiffunktion der der Autopodien (Hände & Füße)
Keine Verwachsung von Elle & Speiche -> komplexe Drehbewegung möglich
Supination: Radius & Ulna parallel
Pronation: Radius & Ulna überkreuzt
Flache Nägel an Fingern & Zehen (außer Krallenäffchen)
Sternum mit Schulterblatt (Scapula) über Schlüsselbein verbunden
Körperschwerpunkt näher unterer/hinterer Extremität
Life History Muster
Jede Spezies muss bestmögliche Zeiträume für Wachstum, Reifung, Reproduktion & Elterninvestment in Abhängigkeit von Ressourcen & Energieerfordernissen festlegen
verlängerte Tragzeit
kleine Wurfgrößen
meist Einzelgeburten
geringe Anzahl an Nachkommen
Verlängerung postnatal abhängiger Lebensphase
recht unentwickelte Jungtiere
verlängerte Wachstumsphase
späte Geschlechtsreife
reproduktives Altern
Soziale Organisationen- Mating Systeme
Solitäre Lebensweise: extrem selten z.B. Orang Utans
Soziale Verbände:
Monogame Kernfamilien (Gibbons, Neuweltaffen)
One male-multi female Gruppen (Gorilla, Gelada Paviane, Brüllaffen)
Multi male-multi female Gruppen (Schimpansen, Paviane, Makkaken, Colobusaffen)
Multi Male-one female (Tamarin, Marmoset)
Werkzeuggebrauch
erlerntes Verhalten -> Ausbildung von Traditionen z.B. Termitenfischen, Waschen von Süßkartoffeln im Salzwasser
Primaten Stammbaum
Prosimians (loris) 60-65 mya
New World Monkeys (marmoset) 35 mya
Old World Monkeys (rhesus macaque) 25 mya
Lesser apes (gibbon) 18 mya
Great apes (orangutan) 12 mya
Great apes (gorilla) 7-8 mya
Great apes (chimpanzee) 6-7 mya
Human - present
Stammt der Mensch vom Affen ab?
Klar NEIN, wir sind Affen & zählen zu den Primaten
Fast 99% genetische Ähnlichkeiten von Homo sapiens & Pan troglodytes & Pan paricous
Evolution der Primaten
Vor ca. 80 Mio. Jahren Spaltung in Vorläufer der Primaten & Riesengleiter
Vor ca. 68 Mio Jahren Spaltung von Primaten in Feucht- & Trockennasenprimaten
Feuchtnasenprimaten vor 57 Mio. Jahren zu Lemuren & Loriartige
Trockennasenprimaten vor 64 Mio. Jahren zu Koboldmakis & Affen
Affen vor 46 Mioo Jahren zu Neu- & Altweltaffen
Altweltaffen vor 32 Mio. Jahren zu geschwänzten Altweltaffen & Menschenartige
Geschwänzte Altweltaffen vor 23 Mio. Jahren zu Schlank/Stummelaffen & Backentaschenaffen
Menschenartige vor 20 Mio Jahren zu Gibbons & Menschenaffen
Paläozän (65-56.5 Mio Jahre)
Purgatorius (65 Mio J) erster Vorläufer heutiger Primaten
Altiatlasus (57 Mio J) ältester Primate
Eozän (56.5-35.4 Mio Jahre)
Aufspaltung in Strepsirrhini & Haplorrhini
Aufspaltung in Plathyrrhini & Catarrhini

älteste Primaten zweifelsfrei zuordwnbare Fossilfunde:
Archicebus achilles (55 Mio. J) China
Eosinias centennicus (45 Mio. J) China
Fund Ida - Darwinius masiliae
Vermutlich weibliches Jungtier & Vorfahre Stepsirrhini, 24 cm Kopf-Rumpf-Länge, <1 kg, nachtaktiv
Ernährung: Früchte & Blätter
Oligozän (35.4-23.3 Mio Jahre)
Aufspaltung in Cercopithecoidea & Hominoidea
Miozän (23.3-5.2 Mio. Jahre)
Radiation der Hominoidea
Funde Miozän
Proconsul (21-14 Mio J)
Morotopithecus (20 Mio J) -> vielleicht letzter gemeinsamer Vorfahre Mensch & Menschenaffen
Dryopithecus (17-12 Mio J)
Oreopithecus (10-7 Mio J)
Gigantopithecus (8 Mio - 100.000 J) -> größter bekannter Primate (3m Körperhöhe, 300-500 kg)
Pleistozän (1.6 Mio - 10.000 Jahre)
Aussterben verschiedener Homini Arten
Ausbreitung über gesamte Erde (Ausnahme Antarktis)
der letzte gemeinsame Vorfahre - Wann?
Angabe durch neue Funde immer änderbar
LCA von Mensch & Schimpanse: 6-8 Mio. Jahre
LCA von Mensch & Gorilla: 8,5-12 Mio. Jahre
LCA von Mensch & Orang Utan: 9-13 Mio. Jahre
Molekularer Anthropologie
Analyse der Evolution des Menschen & nicht-menschlichen Primaten basierend auf deren genetischer Information
molekulare Uhr
Gruppen von Organismen getrennt sind -> je divergenter, desto früher letzter gemeinsamer Vorfahre
Annahme: Mutationsrate beliebiger Proteine konstant
Molekularbiologische Analysen zur Evolution der Primaten
Zuckerkranke & Pauling (1962):
letzter gemeinsamer Vorfahre von Mensch & Gorilla vor 11 Mio. Jahren -> revolutionäre Annahme
Morris Goodman (1963):
Schimpanse & Gorilla mit Homo sapiens näher verwandt als Orang Utan & Gibbon -> bestätigte Annahme von Charles Darwin
Analyse von Alan Wilson & Vincent Sarich (1967)
Letzter gemeinsamer Vorfahre von Mensch & Schimpanse vor 5 Mio. Jahren
Problem: Sahelanthropus tschadensis