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Dunkelfeld Definition

  • ​Summe Delikte, die Strafverfolgungsbehörden nicht bekannt wird

-> deshalb nicht in Kriminalstatistiken erscheint

  • ​frühere Vermutung: "Gesetz der konstanten Verhältnisse" (Relation zwischen Dunkelfeld & bekannt gewordenen Kriminalität bleibt über Zeit gleich
  • ​Erkenntnis: Anzeigebereitschaft/-verhalten veränderbar

  • ​in PKS nur Hellfeld erfasst

​-> die der Polizei bekannt gewordenen Kriminalität

PKS als Ergebnis eines Selektionsprozesses

  • ​Unterschied in kriminellen Belastung verschiedener Personengruppen auf sozialen/personenbezogenen Merkmalen beruht

-> auf Basis Kriminalstatistiken des Hellfelds nicht zweifelsfrei geklärt

  • ​Frauen in PKS weniger kriminell belastet als Männer

-> Gründe:

  1. ​Frauen weniger kriminell (durch andere Sozialisationsprozesse, etc.)
  2. ​nur weniger aufgedeckt

        => Unterschied nur im Hellfeld

  • ​Ausländer in PKS (in Vergleich zu Deutschen) überdurchschnittlich häufig kriminell

-> Gründe:

  1. ​gibt Straftaten die nur von nicht-deutschen Personen begangen werden können (bspw. illegale Einwanderung)
  2. ​Ausländer leben in Ballungsgebieten; sozial randständig; hier lebende Gruppe besteht in größerem Maß aus jungen Männern

         -> wenn dann müsste man junge deutsche Männer mit jungen

              ausländischen Männern vergleichen

     3. höhere Anzeigebereitschaft gegenüber Ausländern (werden als

         besonders fremd und somit bedrohlich wahrgenommen)

Empirische Zugänge zur Aufhellung Dunkelfeld

  • ​Experiment
  • ​teilnehmende Beobachtung (Forscher dringt in kriminelles Millieu ein -> versucht so, wissenschaftlich relevante Kenntnisse zu sammeln)
  • ​Informantenbefragungen (insb. bei Mitgliedern totaler Institutionen, bspw. Strafgefangene)
  • ​Täter- sowie Opferbefragungen 

-> Einzel- und Gruppenbefragung: "face to face" (persönliches

    Interview)

-> postalische Befragung

-> telefonische Befragung

-> Online-Befragung

Aber: Befragungen erfassen nicht Kriminalität als solche, sondern nur

           deren subjektive Wahrnehmung durch Probanden

Täterbefragung

Definition:

  • ​bei Täterbefragung wird Proband (Befragte) einer Zufallsstichprobe in anonymisierten Verfahren gefragt, ob er selbst strafrechtliches Delikt verwirklicht hat, bisher unentdeckt geblieben

Bequemlichkeitsstichprobe:

  • ​Erhebung Daten mehrerer Personen in bestimmten Gruppe in einer Befragung (bspw. Schüler einer Klasse)
  • ​Vorteil:

-> regelmäßige leichte Erreichbarkeit & vorhandene

    Mitteilungsbereitschaft

  • ​Folge:

-> Mindererfassung von bestimmten Gruppen (schwerer erreichbar;

    bspw. Obdachlose)


Probleme bei Täterbefragung

  • ​mangelnde Erinnerung
  • ​fehlende Bereitschaft zu wahrheitsgemäßen Abgaben (insb. bei schweren Straftaten)

-> muss davon ausgehen, dass unterberichtet wird

-> Gegenteil: v.a. Schüler haben hohe Überberichtung (Beliebtheit etc.)

  • ​"Telescoping-Effekt": Ereignisse aus früheren Jahren werden von Befragten in Befragungszeitraum verschoben
  • ​Verständnisschwierigkeiten, insb. bei Erhebung komplizierter Straftaten (bspw. Untreue/Geldwäsche §261 StGB)

Erkenntnisse der Täterbefragung (junge Personen)

  • ​jeder dritte Schüler in 8./9. Klasse hat innerhalb Jahres vor Befragung zumindest ein Diebstahlsdelikt, bzw. eine Hehlerei begangen (fast jeder zweite irgendeine Straftat)
  • ​Kriminalität in gewissen Umfang in Jugendalter normal/weit verbreitet

-> Ubiquität (allgegenwärtig/über Schicht hinweg) der

    Jugenddelinquenz (Straffälligkeit)

    => Gipfel erreicht Delinquenz im Allter unter 16 Jahre (strafrechtliche

         Sozialkontrolle dann verstärkt, wenn Delinquenz bereits abklingt)

-> beschränkt auf triviale Delikte

    => dominiert Diebstahl (gerade Ladendiebstahl) gefolgt von

         Hinterziehen von Fahr-/Eintrittsgeldern

-> schwere Kriminalitätsbegehung/wiederholte Deliktsbegehung eher

    selten

  • ​sinkende Prävalenzraten nach 9.Klasse
  • ​Spontanbewährungen

-> ca. 50% hören Kriminalität ohne Intervention auf (in Jugendstrafrecht

    eher Möglichkeit Verfahren einzustellen)

Erkenntnisse der Täterbefragung

  • ​in Dunkelfeld wird höchste Delinquenzbelastung erheblich früher erreicht als im Hellfeld

-> Strafverfolgung bei älteren intensiver als bei jüngeren Personen

  • ​​Täter in wenigen Fällen bei Tat entdeckt

-> mind. 90% Ladendiebstähle bleiben unentdeckt

  • ​Unterschiede zwischen Geschlechtern bestehen, wenn schwere Straftaten & wiederholte Deliktsbegehung einbezogen werden/auf Einbeziehung trivialer Delikte verzichtet
  • ​Dunkelfeld bei leichten Delikten stärker ausgeprägt als bei schweren Delikten (schwere Delikte kommen eher ins Hellfeld)
  • ​Ergebnisse aus Täterbefragung lassen sich in Bereich schweren Kriminalität einigermaßen zu Deckung bringen mit denen in Kriminalstatistik
  • ​strikte Trennung zwischen Täter & Nichttäter kann nicht durchgeführt werden, wenn Form von Deliktsbegehung einbezogen

Opferbefragung Definition

Definition:

  • ​bei Opferbefragung wird Proband einer Zufallsstichprobe danach gefragt, ob er innerhalb bestimmten Zeitintervalls Opfer bestimmten Straftat geworden

Crime Surveys:

  • ​zielen auf Aufhellung des Dunkelfelds ab

-> wieviel Kriminalität an bestimmten Ort/zu bestimmten Zeit

Victim Surveys:

  • ​mit ihnen spezielle opferbezogene Erkenntnis gewonnen (bspw. zu Personengruppen, die besonders häufig Opfer werden, und zu Kriminalitätsfurcht & Anzeigeverhalten)

Vor- und Nachteile

Vorteil ggü. Täterbefragung

  • ​Angaben verlässlicher, weil Opfer in geringerem Maße Entdeckung/Bloßstellung fürchten

Probleme:

  • ​vollendete Tötungsdelikte/Delikte die sich nicht gegen Privatpersonen richten können nicht erfragt werden

-> bspw. Umweltschutzdelikte, Staatsschutzdelikte

  • ​Beziehungsdelikte nur unzureichend berichtet/verschwiegen

-> doppeltes/absolutes Dunkelfeld

  • Angehörige bestimmten Millieus/Personen ohne festen Wohnsitz/ Ausländer schwer als Opfer zu erfassen
  • ​Telescoping-Effekt (Probleme Vergessens/zeitlichen Einordnens)

Bundes- und landesweite Opferbefragung

  • ​bisher in Deutschland keine regelmäßigem bundesweiten Opferbefragungen
  • ​Initiativen "Deutscher Viktimisierungssurvey 2012/2017"
  • ​Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten

-> "Empfehlungen zu Qualitätssicherung & wissenschaftlichen

      Begleitung von Viktimisierungssurveys"

Beispiele für Opferbefragungen & deren Erkenntnisse

  • ​Opfersituationen sind weit verbreitet
  • ​20-30% Befragten in Zeitraum in Zeitraum von 1 Jahr vor Befragung Opfer von Straftat
  • ​handelt sich ganz überwiegend um triviale Delikte (zumeist Eigentums- und Sachbeschädigungsdelikte mit geringem Schaden)
  • ​schwere Delikte eher selten berichtet

  • ​junge Männer am ehesten Täter aber auch am ehesten Opfer

-> Senioren weniger von Straftaten betroffen

  • ​Vermeidungsverhalten durch Furcht vor Straftaten

  • ​Beispiele:

-> Opferbefragung LKA Niedersachsen 2021 (Schlaglichter)

-> Bochumer Opferbefragungen

Dunkelfeldstudien zu speziellen Delikten

  • ​Gewalt in der Schule
  • ​Gewalt im Strafvollzug
  • ​Gewalt in Partnerbeziehungen
  • ​Gewalt gegen Fußballschiedsrichter

Gewalt im Rahmen der Erziehung

  • ​seit 1990er Jahren zu deutlichen Rückgang körperlichen in Erziehung
  • ​Ergebnis Studie 2005

-> 1996 noch 83% der Eltern, gelegentliche dem Kind erteilte Ohrfeige

     sei zulässig

-> 2005 bejahten dies 47%

-> Zunahme psychischer Gewalt

  • ​mögliche Ursache für Rückgang körperlichen Gewalt könnte Gesetzeserneuerung von 2000 sein

-> § 1631 Abs. 2 BGB

  • ​Folgen:

-> gesundheitliche Schädigungen psychischer/physischer Art

-> Entwicklungsverzögerungen

-> Leistungsabfall in Schule

-> Desinteresse & schlechtere Zukunftsaussichten

-> Kreislauf Gewalt/Gefahr Reviktimisierung

  • ​Vergleich Erziehungsstile in Ländern mit Körperstrafenveebot in Erziehung gegenüber Ländern ohne entsprechendes Verbot

-> in Ländern mit Körperstrafenverbot werden Kinder deutlich häufiger

    gewaltfrei erzogen

  • ​über Ursachen von Gewalt in Strafvollzug besteht keine Einigkeit​Vertretene Meinungen:
  • ​Deprivationsthese: Ursachen für Gewalt in Vollzug sind Haft

                                           selbst, bzw. Haftbedingungen​

-> Mangel an Autonomie & eigene Entscheidungsmöglichkeiten;

    begrenzter Lebensraum; Enge in Haftanstalten

-> Folge ständigen Fremdbestimmung/ständigen Kontrolle, sind

    eigenes Wert- und Normgefüge (Durchsetzung von Interessen &

    Sicherung eigenen Status durch Gewalt)

  • ​Importationsthese: Merkmale der Insassen sind Ursachen für

                                        Gewalt

-> Insassen kriminellsten Mitglieder Gesellschaft

-> schon bei Haftantritt hohe Bereitschaft zu deviantem Verhalten

    hohes Agressionspotenzial

-> Gewalt von Inhaftierten in Haftanstalt importiert

  • ​kombinierte Ansätze

-> komplexes Phänomen (keiner beiden Ansätze erklärt Gewalt in Haft

    hinreichend)

-> vorhandene Neigung zur Gewaltausübung noch verstärkt

Gewalt im Strafvollzug

Lösungsvorschläge Gewalt im Strafvollzug

  • ​Einzelhafträume/Kameraüberwachung für schwer einsehbare Gemeinschaftsräume/-flächen
  • ​besseres Anstaltsklima

-> Verbesserung Freizeit- und Arbeitsangebote; Bemühungen um

    vertrauensvolles Miteinander von Bediensteten & Gefangenen

  • ​verbale Konfliktlösungsstrategien anlernen
  • ​wo immer geht Haft vermeiden; durch ambulante Sanktionen ersetzen

Ergebnisse Opferbefragungen

  • ​Dunkelfeld ist je nach Delikt unterschiedlich groß
  • ​Anzeigewahrscheinlichkeit ist delikts-, täter- und opferspezifisch
  • ​Abhängigkeit Täter-Opfer-Konstellationen unterschiedlich groß
  • ​dominieren einfachen Fälle (Diebstahl & Sachbeschädigung)

-> Gewaltdelikte auch in Dunkelfeld relativ seltene Ereignisse

  • ​Männer/jüngere Menschen werden häufiger Opfer als Frauen/ältere Menschen

-> Opferrraten nehmen nach 35. Lebensjahr deutlich ab