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Was ist Diabetes mellitus?

Was ist der Unterschied zwischen Typ 1 und Typ 2?

Stoffwechselerkrankung mit Hyperglykämie
 

  • Typ 1: Absoluter Insulinmangel (β-Zellzerstörung)

 

  • Typ 2: Relativer Insulinmangel (Insulinresistenz)

Welcher Diabetes-Typ hat die höhere Prävalenz?

Typ 2 mit > 90 %

Was ist der Goldstandard bei der Diabetes-Diagnostik?

Plasmaglucose (venös)

 

  • Nüchtern (nach min. 8 - 12 h)
     
  • Postprandial (nach 2 h)
     
  • Random

In welcher Einheit wird die Plasmaglucose-Konzentration angegeben?

mmol/L oder mg/dL

 

→ 1 mmol/L * 18,016 = 1 mg/dL

Ab welcher Plasmaglucose-Konzentration wird Glucose über den Urin ausgeschieden?

Nierenschwelle bei 180 mg/dL

Was ist der Goldstandard bei der Verlaufskontrolle von Diabetes mellitus?

Hämoglobin A1c (HbA1c)

als Langzeitmarker für Blutglucosekonzentration

Was ist HbA1c?

Irreversibel glykiertes Hämoglobin in Erythrozyten 

 

→ Menge ist Abhängigkeit von der Blutglucosekonzentration

In welcher Einheit wird der HbA1c-Wert angegeben?

Prozentual zum Gesamthämoglobin

→ % oder mmol/mol

Welchen Nüchtern-Plasmaglucose-Wert haben gesunde Menschen?

und postprandial?

  • Nüchtern: < 100 mg/dL
     
  • Postprandial: < 140 mg/dL

Welchen Plasmaglucose-Wert haben Diabetes-Patienten?

und postprandial?

  • Nüchtern: > 125 mg/dL
     
  • Postprandial: > 200 mg/dL

In welchem Bereich bewegt sich die Nüchtern-Plasmaglucose-Konzentration bei Prädiabetes?

und postprandial?

  • Nüchtern: 100 - 125 mg/dL
     
  • Postprandial: 140 - 199 mg/dL

Wie hoch ist der HbA1c-Wert bei gesunden Menschen?

< 5,7 %

Wie hoch ist der HbA1c-Wert bei Diabetes-Patienten?

> 6,5%

In welchem Bereich bewegt sich der HbA1c-Wert bei Prädiabetes?

> 5,7 % bis < 6,5 %

Nach welchen weiteren Blutwerten kann Diabetes mellitus beurteilt werden?

Konzentration von:

 

  • Serum-Fruktosaminen
    (Alternative zu HbA1c)
     
  • Nüchtern-Insulin
    (Berechnung des HOMA-Index)

Was ist der HOMA-Index?

Bestimmung der Glucose und des Insulins (nüchtern) aus Serum oder Plasma

 

 

HOMA = (Insulin * Glucose) / 22,5

Was ist Gestörte Glucosetoleranz?

ausgeprägte, überschießende postprandiale Hyperglykämie

 

→ reduzierte Suppression hepatischer Gluconeogenese & reduzierte periohere Glucoseaufnahme

Wodurch wird eine gestörte Glucosetoleranz hervorgerufen?

  • Übermäßige Reduktion postprandialer Insulinsekretion (1. Phase der Insulinsekr.)
     
  • gleichzeitige Insulinresistenz in Leber, Muskel- & Fettgewebe

Wie verläuft der Nüchtern-Blutglucose-Wert bei der Progression von Diabetes mellitus Typ 2?

Prädiabetes/gestörte Glucosetoleranz:

  • leichter Anstieg

 

Manifester Diabetes Typ 2:

  • immer stärkerer Anstieg

Wie verläuft die Insulinsenitivität bei der Progression von Diabetes mellitus Typ 2?

Prädiabetes/gestörte Glucosetoleranz:

  • rapide Abnahme

 

Manifester Diabetes Typ 2:

  • Insulinresistenz mit weiterer Abnahme der Sensitivität

Wie verläuft die Insulinausschüttung bei der Progression von Diabetes mellitus Typ 2?

Prädiabetes/gestörte Glucosetoleranz:

  • starker Anstieg um Insulinresistenz auszugleichen

 

Manifester Diabetes Typ 2:

  • Niedrig mit weiterer Abnahme durch Versagen der β-Zellen

Welchen Einfluss hat der HbA1c-Wert auf postprandiale Hyperglykämie bei Diabetes mellitus Typ 2?

je niedriger der HbA1c-Wert (bzw. je besser der Patient eingestellt ist),

umso größer ist der Anteil der postprandialen Hyperglykämie an der Gesamt-Blutzuckererhöhung

Was sind Symptome bei Diabetes mellitus?

  • Häufiges Wasserlassen
     
  • Durst
     
  • Hunger (auch bei häufigen Mahlzeiten)
     
  • Extreme Erschöpfung
     
  • Unscharfes Sehen
     
  • Verzögerte Wundheilung
     
  • Ungeplanter Gewichtsverlust (Typ 1)
     
  • Kribbeln/Schmerzen/Taubheit in Händen & Füßen (Typ 2)
     

→ Bei Typ 2 Symptome häufig mild oder unerkannt

Welche Komplikation tritt v.a. bei Diabetes mellitus Typ 1 auf?

Diabetische Ketoazidose bis zum Ketoazidotischen Koma:

 

  • Hohe Blutglucose (> 250 mg/dL)
     
  • Ketonämie / Ketonurie
     
  • Metabolische Azidose (pH < 7,3)
     
  • Osmotische Diurese
    (& einhergehende Steigerung der Blutglucose)

Welche Komplikation tritt v.a. bei Diabetes mellitus Typ 2 auf?

Hyperglykämisches hyperosmolares Syndrom:

 

  • Sehr hohe Blutglucose (> 600 mg/dL)
     
  • Glucosebedingte Hyperosmolarität des Bluts
     
  • Keine bis leiche Ketonämie
     
  • Starke Dehydratation durch vermehrtes Wasserlassen

Welche Rolle spielen das Muskel- & Fettgewebe und die Leber bei der Ketonkörperbildung bei Diabetes mellitus?

Muskelgewebe:

 

  • keine Aufnahme von Glucose (durch Insulinmangel)
  • Abbau von Aminosäuren & Transport zur Leber

 

Fettgewebe:

 

  • keine Aufnahme von Glucose (durch Insulinmangel)
  • Freisetzen von Glycerin & Fettsäuren und Transport zur Leber

 

Leber:

 

  • Gluconeogenese aus glucogenen Aminosäuren und Glycerin
    → Abgabe ins & Anhäufung im Blut
     
  • Ketonkörper-Synthese aus Fettsäuren
    → Abgabe ins & Anhäufung im Blut

Welche akute Komplikation kann bei falscher Behandlung von Diabetes mellitus auftreten?

Hypoglykämie

Welche langfristigen Komplikationen können bei Diabetes mellitus auftreten?

Erhöhtes Risiko für:

 

  • Herzinfarkt (2-3x)
  • Schlaganfall (2-3x)
     

     (durch Glukotoxizität:)
 

  • Augenerkrankung mit Erblinden (10-25x)
  • Nierenversagen (15x)
  • Beinamputation (25x)

Was sind Advanced Glycation End-Products (AGEs)?

irreversibel glykierte Proteine

 

  • HbA1c
     
  • Carboxymethyllysin
    (häufigstes AGE)
     
  • Glykierte Kollagene

Welche Komplikationen treten durch AGEs auf?

Mikroangiopathien

→ Schädigung von Kapillaren

 

→ einhergehende Schädigung von Nerven und anderem Gewebe (Herz, Auge, Nieren)

Was sind Risikofaktoren für Diabetes mellitus Typ 2?

Genetik:

 

  • familiäre Häufung
  • frühzeitig gestörte Insulinsekretion
  • manchmal ist Insulinresistenz mit erhöhter Sekretion kompensierbar

 

Alter (Risiko steigend mit Alter)

 

 

Adipositas:

 

  • wichtigster Risikofaktor
  • ca. 40 - 60fach höheres Risiko im Vgl. zu Normalgewicht

 

Bluthochdruck

 

Hyperlipidämie

 

Rauchen

 

Übermäßiger Alkoholkonsum

Welche Stoffwechselprodukte und Adipozytokine haben einen Einfluss auf die Entstehung von Diabetes mellitus Typ 2?

TNFα

 

IL-6

 

Adiponektin
 

Freie Fettsäuren

Welchen Einfluss hat TNFα auf die Entstehung von Diabetes mellitus Typ 2?

Tumor-Nekrose-Faktor α

 

→ fördert Insulinresistenz /

hemmt Weiterleitung des Insulinsignals durch Phosphorylierung des falschen Substrats am Rezeptor

 

→ gebildet im viszeralen Fettgewebe durch Makrophagen

Welchen Einfluss hat IL-6 auf die Entstehung von Diabetes mellitus Typ 2?

Interleukin 6

 

→ fördert Insulinresistenz

 

→ überwiegend gebildet im viszeralen Fettgewebe

Welchen Einfluss hat Adiponektin auf die Entstehung von Diabetes mellitus Typ 2?

Adiponektin

 

→ fördert Insulinsensitivität

 

→ überwiegend gebildet im subkutanen Fettgewebe

 

→ Verringerte Konzentration bei vermehrtem Fettgewebe & hohem TNFα

Welchen Einfluss hat viszerales Fettgewebe auf die Entstehung von Diabetes mellitus Typ 2?

Je größer der Anteil an viszeralem Fettgewebe, umso mehr wird die Insulinresistenz gefördert

Welchen Einfluss hat Insulin auf das Muskelgewebe?

  • Glucoseaufnahme
     
  • Glycogensynthese
     
  • Aminosäure-Aufnahme
     
  • Protein-Synthese

Welchen Einfluss hat Insulin auf das Fettgewebe?

  • Glucoseaufnahme
     
  • Glycolyse
     
  • Lipogenese
    (& verringerte Lipolyse)

Welchen Einfluss hat Insulin auf die Leber?

  • Glycogensynthese
    (& verringerte Glycogenolyse)
     
  • Glycolyse
    (& verringerte Gluconeogenese)
     
  • Lipogenese

Wie begünstigen TNFα und Freie Fettsäuren die Insulinresistenz am Insulinrezeptor?

Hohe Konzentrationen von TNFα & FFS führen zu: 

 

  • vermehrter Aktivierung von Insulinresistenz assoziierter Kinasen (z.B. Proteinkinase C)
     
  • Insulinrezeptor mit Serin- & Threonin-Phosphorylierung statt eigentlicher Tyrosin-Phosphorylierung
     
  • Proteintyrosinphosphatasen unterbrechen das Signal durch Verhinderung der Tyrosin-Phosphorylierung

 

Welche Bedeutung hat die Kohlenhydratzufuhr in Abhängigkeit des glykämischen Index auf das Diabetesrisiko?

KH mit hohem glykämischem Index:

 

  • Starke Insulinausschüttung
  • Proinflammatorische & prooxidative Prozesse
  • Saccharose mit wahrscheinlich erhöhtem Risiko

 

KH mit niedrigem glykämischem Index:

 

  • erhöhte Insulinsensitivität

Welche Ernährungsempfehlungen gelten bei Diabetes mellitus in Bezug auf Kohlenhydrate?

  • KH mit hohem GI sollten vermieden werden
    → Vermeidung zuckerreicher Lebensmittel
     
  • KH mit niedrigem GI sollten präferiert werden
    (Ballaststoffe!)

Welche sonstigen Ernährungsempfehlungen gelten bei Diabetes mellitus?

  • Empfehlungen wie für Normalbevölkerung
     
  • Keine Diabetiker-Produkte
     
  • Gewichtsreduktion bei Abnahme
     
  • Mäßiger/Kein Alkoholkonsum
     
  • kein Rauchen

Welche Plasmaglucose-Werte werden bei einer Ernährungstherapie angestrebt?

Plasmaglucose:

 

  • Nüchtern
    → 100 - 125 mg/dL
     
  • Postprandial
    → 140 - 199 mg/dL

 

 

(Prädiabetes-Niveau)

Welche HbA1c-Werte werden bei einer Ernährungstherapie angestrebt?

HbA1c:

 

6,5 - 7,5%

 

 

→ Zielkorridor zur Vermeidung von Folgekomplikationen

Welche LDL-Werte werden bei einer Ernährungstherapie angestrebt?

LDL:

 

< 100 mg/dL

Welches Körpergewicht wird bei einer Ernährungstherapie angestrebt?

Gewichtsabnahme bei Übergewicht:

 

  • BMI bei 27 - 35
    → ca. 5 % Gewichtsabnahme
     
  • BMI bei > 35
    → > 10 % Gewichtsabnahme

Welches Blutdruck wird bei einer Ernährungstherapie angestrebt?

Blutdruck:

 

systolisch: < 140 mmHg

diastolisch: < 90 mmHg

Was ist wichtigster Präventionsfaktor bei Diabetes mellitus Typ 2?

Lebensstil

 

→ selbst bei genetischer Prädisposition kann bei entsprechendem Lebensstil die Entwicklung eines Diabetes mellitus Typ 2 abgewendet werden

Welche physiologischen Möglichkeiten gibt es zur Senkung des Blutzuckers?

  • Verminderte Glucoseaufnahme im Darm
     
  • Verbesserte Insulinsekretion
     
  • Verbesserte Insulinsensitivität

Wie hoch ist die Prävalenz von Diabetes mellitus in Deutschland?

ca. 7%

 

→ steigt mit Alter

→ sinkt mit sozialem Status